Guten Morgen, liebe Winterzeit
November 10, 2009
Mit weißen, kalten Sonnenstrahlen hast du mich geweckt.
Um neun Uhr morgens, das hat mich doch etwas erschreckt.
Viel zu früh um aufzustehen,
ich werd mich einfach noch mal umdrehen.
Aber das Wiedereinkuscheln ist umsonst,
irgendwas ist heute anders als an Sonntagen sonst.
Kein einziger Vogel pfeift auf dem Dach,
nur ich lieg offenen Auges wach.
Ich komme ganz langsam in die Puschen,
vielleicht hilfts, ich geh erstmal duschen.
Ich schlurfe durch den kalten Flur,
mein Blick fällt auf die erbarmungslose Uhr.
Sie zeigt schon versöhnliche Zehn,
das ist kann ich so früh am Morgen wirklich nicht verstehen.
Vielleicht schlafe ich noch und es ist nur ein gemeiner Traum,
Dann träum ich mich mal zurück in meinen Schlafraum.
Im kalten Licht zeigen die Zeiger wieder neun.
Es scheint real, soll mich das jetzt freuen?
Ist zu früh für gute Laune,
auch wenn ich noch immer über mein Wachsein staune.
Das ganze Haus wahrt Stillschweigen,
kein Ton traut sich mir zu zeigen.
Vielleicht hilft das Zählen von Schafen,
Hauptsache, ich kann noch etwas weiterschlafen.
Ich verkrieche mich in meinen warmen Decken,
doch es ist, als würde der Schlaf sich vor mich verstecken.
Ich hab heute wohl kein Glück,
dann mach ich jetzt eben Frühstück.
Zukunft.
Mai 3, 2009
Zukunftsängste
Kaffeekränze
Ungewissheit
Altersschwachheit
Ich hab ein paar Fragen
Die mich plagen
An dich
Doch du willst nicht beantworten
Kannst es nicht verantworten
Was du sagen sollen
Könntest, müsstest
Wenn du wüsstest,
Was sie wollen
Bald, Jetzt, Dann, Wann?
Ich kann
Ich werde
Etwas tun
Für unsere Erde
Nun
Sonntag.
Dezember 28, 2008
Ich lasse mir das Wasser über die Haare laufen, um die letzte Nacht wegzuwaschen. Der Rauch, der sich in meinen Haaren festgesetzt hat, steigt mir wieder in die Nase. Ich werde ihn mit dem Geruch meines Shampoos überdecken. Draußen ist es schon dunkel, ich bin erst vor wenigen Stunden aufgestanden. Der Tag war schon vorbei bevor er angefangen hat. Ich dusche nur, um heute wieder wegzugehen. Morgen werde ich mir wieder den Rauch aus den Haaren waschen. Mein Tagesablauf stimmt nicht mehr, ich esse nachmittags mein Mittagsessen, ich frühstücke gar nicht.
Sonntage sind selten voller Tatendrang, aber dieser ganz besonders wenig. Sonntag, das war immer unser Tag, an dem wir nie aufgestanden sind. Aber jetzt stehe ich auf und mache doch nichts. Denn du bist nicht mehr Teil meines Lebens und auch nicht mehr Teil meines Sonntags. Nichts stimmt mehr.
Utopie.
Dezember 27, 2008
In diesem Moment gibt es nur uns beide. Der Rest der Welt ist Nebensache, nur eine Kulisse für unsere Zweisamkeit. Der Moment ist das einzig Wichtige, die Farben, die Gefühle. Wir laufen, Hand in Hand, es fühlt sich so richtig an. Unser Ziel ist die Stadt unter dem Berg auf dem wie laufen. Er bleibt stehen, zieht mich zu sich heran und küsst mich unglaublich leidenschaftlich. Die Stadt, die gerade eben noch so groß und bunt erschien, verschwimmt und verschwindet dann, als ich meine Augen schließe.
Ein Geräusch stört unsere Zweisamkeit. Widerwillig löst er seine Lippen von meinen. Ich sehe mich um, suche die Ursache des Geräuschs. Die Stadt stürzt vor unseren Augen ein. Ich sehe, wie er wieder meine Hand nimmt, doch ich spüre nichts.
Die Realität hat uns eingeholt. Dieser kleine Moment zwischen uns war zu schön um wahr sein zu dürfen.
Ich öffne die Augen. Es war ein Traum, die schönen Gefühle, die bunten Farben, die große Stadt existiert so nicht mehr. Uns bleibt keine Zeit für solche Träume. Er ist irgendwo dort draußen, ich liege hier allein an dem Ort, den ich früher wohl mein zu Hause genannt hätte. Draußen tobt der Krieg, die Farben und Gefühle haben die Stadt schon vor langer Zeit verlassen. Sie ist nur noch eine leere Kulisse für den Krieg.
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Soundtrack dazu von Clueso.
Eine zufällige nächtliche Begegnung.
Dezember 23, 2008
Nach einer durchtanzten Nacht trat ich hinaus in die kalte Stille. Mein Herz, das im Takt der Musik geschlagen hatte, beruhigte sich nun, die Müdigkeit überfiel mich. Und mit ihr kamen die Gedanken an den Abend, ob ich ihm zu viel gesagt hatte. Er würde sich nicht mehr melden, doch das wusste ich in diesem Moment noch nicht. Meine Beine trugen mich wie von selbst in Richtung Licht, dorthin, wo andere, die so wie ich die Nacht durchgetanzt hatten, auf ihre Busse nach Hause warteten.
So viele unbekannte Gesichter, und keines erschien mir besonders vertrauenerweckend. Langsam schaute ich noch einmal über die Schulter. An dieses Gesicht konnte ich mich noch erinnern. Es war lange her, dass ich es gesehen hatte, doch es hatte sich kaum verändert, er sah immer noch aus wie ein junger Professor, ganz wie damals. Ich ging auf ihn zu und schaute ihn nach meiner Begrüßung mit erwartungsvollem Blick an. Zu meinem Erstaunen erinnerte er sich sofort an mich und freute sich, mich wiederzusehen. Er redete von etwas, an das ich mich nicht mehr erinnern konnte. Doch das war unwichtig, ab dem Moment, in dem sich die Person neben ihm äußerte. Ihn hatte ich bis dahin gar nicht wirklich wahrgenommen.
Da kam mein Bus an, gerade jetzt. Doch er würde mitfahren, mal sehen ob er sich neben mich setzen würde. Das tat er tatsächlich und wir unterhielten uns nun erst richtig. Er war genau auf einer Wellenlänge mit mir, ich erzählte ihm, was mich bewegte, obwohl wir uns erst so kurz kannten. Viel zu schnell kam seine Haltestelle, wir hatten uns doch noch so viel zu erzählen. Er fragte scherzhaft, ob er einfach mit zu mir kommen sollte und wir würden uns weiter unterhalten. Ich stimmte spontan zu und er blieb tatsächlich sitzen. Wenige Minuten standen wir wieder in der kalten Nacht und machten uns auf den Weg nach Hause.
An diesem Abend war es glatt auf den Straßen, doch es war nicht so schlimm, dass man nicht laufen konnte. Kurz bevor wir unser Ziel erreicht hatten, fing er an, auf dem Eis Salsa zu tanzen. Und obwohl ich nicht gut tanzen kann, war es ein ganz besonderer Moment, nur für uns beide. Rechts zurück, Links hoch, rechts vor, links vor… Nach ein paar Schritten gingen wir weiter und standen bald vor meiner Tür. Ich schloss die Tür auf und wir schlichen leise nach oben, um niemanden zu wecken.
Wir zogen uns um, ungesehen vom anderen. Schließlich saßen wir in entgegen gesetzter Richtung auf dem Bett, so dass wir uns anschauen konnten und erzählten uns von Beziehungen, die inzwischen Vergangenheit sind. Nachdem wir uns stundenlang unterhalten hatten und uns langsam an die Anwesenheit des anderen Körpers gewöhnt hatten, wurde es draußen schon wieder hell. Er legte seine Arme um mich und wir schliefen ein.
Nach einem kurzen Schlaf schlug ich die Augen auf. Ich schaute direkt in seine unglaublich grünen Augen. Ich hatte nicht geträumt. Ich hatte einen neuen besten Freund gefunden.
Zweisam einsam.
Juli 22, 2008
Sie haben sich auseinandergelebt. Nach so vielen Jahren Ehe ist er jetzt ausgezogen. Auf einmal war alles Routine, sie versorgte den ganzen Tag die Kinder, er kam erst zum Abendessen nach Hause und wollte dann nur noch auf der Couch liegen und fernsehen. Der Sonntagmorgen, der früher gemeinsam im Bett mit Kaffee und Sex genossen wurde, wird jetzt schon um 7 Uhr morgens von den Kindern gestört. Sie treten nur noch gemeinsam auf, weil sie müssen, sie sind doch schon so lange das Traumpaar, schon so lange nur noch das „Wir“. Er sieht seine Arbeitskollegin auf einmal mit anderen Augen, sie fühlt sich einsam und gibt ihren Kindern all die Liebe, die sie noch hat.
Die Romantik ist gewichen, er sucht sich jetzt eine neue Wohnung und sie trinkt ihren Kaffee allein während die Kinder spielen. Der Babysitter kommt jetzt öfter, der Vater nur noch am Wochenende.
Busfahrt.
September 8, 2007
Ein voller Bus, und ich hinten links. So viele interessante Gesichter und Menschen, deren Geschichte und Weg ich gern kennen würde. Nur von der Person die mir am nächsten ist, weiß ich schon genug, ohne es wissen zu wollen.
Dann schließen sich die Türen hinter den Aussteigenden, die Fahrt ist vorbei, zurück bleibt ein leerer Bus, die Gesichter und Menschen gehen weiter ihren Weg.
Verdrängung.
Juli 7, 2007
Schwarze, undurchdringliche Dunkelheit, um mich herum und in meinem Kopf. Kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern oder habe ich es verdrängt? Alles ist so düster. Es fühlt sich an, als wüsste ich es nicht mehr, obwohl ich weiß, dass es passiert ist, zumindest wenn man mich darauf anspricht, taucht es langsam aus dieser Dunkelheit auf.
Habe ich Kindheitserinnerungen wirklich vergessen, weil das schon so lange her ist? Gerade prägende und blamierende Momente? Das wäre doch widersprüchlich. Denn an sich weiß ich doch noch ein paar Sachen, bloß nicht die, über die sich meine Freunde seit Jahren lustig drüber machen. Die setzen sich vorrangig aus diesen Erzählungen zusammen.
Im Moment nutze ich eine bewusste Verdrängungstaktik. Wenn ich mir vorgenommen habe, mich mit etwas gerade Geschehenem nicht mehr auseinanderzusetzen, dann mache ich das auch nicht mehr wenn es vorbei ist. So verschwinden ganze Stunden in der schwarzen Dunkelheit und wenn mich jemand darauf anspricht, egal wie kurz danach, muss ich einen Moment lang nachdenken, was gemeint ist. Man macht sich so viel weniger Gedanken.
Wenn mir etwas unangenehm ist, kann ich das sogar so weit machen, dass ich selbst in dem Moment nur mich reden höre und der Moment einen Augenblick später schon wieder vergessen ist, als hätte ich ihn nicht erlebt.
Verliere ich so Minuten und Stunden meines Lebens oder verschließe ich sie nur an einem Ort in meinem Kopf, der wie ein dunkler Tresor zu sehen ist? Wenn ihn jemand knackt, geht er auf und es ist etwas zu entnehmen. Solange jedoch nicht, kann ich dorthinein alles schieben, was ich nicht haben will. Wird dieser symbolische Tresor dann auch platzen, wenn er zu voll ist? Werden die verdrängten Erinnerungen irgendwann aus mir herausbrechen?
Um auf meine Anfangsfrage zurückzukommen, wo sind meine Kindheitserinnerungen hin? Habe ich manche Dinge unbewusst verdrängt? Waren sie mir irgendwann nicht mehr wichtig? Oder will ich mich jetzt einfach nicht mehr erinnern, auch wenn ich könnte? Mein Kopf weiß doch alleine gar nicht, was verdrängungsnötig wäre.
Diese Fragen werde ich bald wieder vergessen haben und es werden mich andere Sachen beschäftigen. Damit versinken Frage und Antwort in einem Nebel, vielleicht sogar in der Dunkelheit. Ich weiß es nicht.
Flucht vor der Dunkelheit.
März 12, 2007
Sie rannte, sie konnte sich nicht einmal mehr an den Grund erinnern. Bei jedem Schritt hallte es von den Häusern wieder. Die Lichter waren bereits erloschen, der Ort schien den Atmen anzuhalten, sie hörte nur noch den Hall ihrer Schritte. Sie blieb kurz stehen und sah sich um. Es war niemand dort, niemand verfolgte sie, hatte sie erwartet jemanden in der Dunkelheit zu sehen, warum rannte sie? Sie zitterte, ihr Körper war jedoch schon so taub, dass sie die Kälte nicht spürte. Sie setzte an um weiter zu rennen, einen schnellen Schritt vor den anderen, immer schneller werdend. Autos fuhren vorbei, nahmen ihren Schatten ein Stück mit und ließen ihn dann wieder los. Damit niemand anhielt, lief sie in diesen Momenten etwas langsamer, um im nächsten Moment wieder zu rennen. Dann, sie wusste nicht, wie lange sie schon lief, erblickte sie es, dort war noch Licht. Sie wurde langsamer, drehte den Schlüssel um, trat ein und schloss die Tür. Sie blieb stehen und atmete aus.
Von der Sehnsucht nach Freiheit.
Januar 17, 2007
Der Wind wirbelte ihr in die Nase, die Haare die sich aus dem Zopf gelöst hatten, flatterten ihr um das Gesicht, bildeten eine sanfte Umrandung ihrer feinen Gesichtszüge. Sie schloss die Augen um sich ganz auf ihren Atem zu konzentrieren, das sollte entspannen hatte man ihr zu Hause erzählt. Sie sog die Luft, mit einem Hauch von Salz, Fischen und Freiheit, ein, so viel sie nur konnte. Dann hielt sie kurz inne, wollte die Meeresluft ganz tief in sich haben, die Freiheit durch und durch fühlen. Sie atmete kräftig aus. Obwohl sie die Augen immer noch geschlossen hielt, hätte sie genau sagen können, was sich um sie herum befand. Das Meer, davor die Felsbrocken, ideal für die Kinder um darauf zu klettern ohne tief zu fallen, die nach 20 Metern langsam im Wasser verschwanden, im Minutentakt überschwemmt von Wellen, und dann nur noch das weite Meer. Es bedeutete Freiheit für sie, hier zu sein und die Gedanken mit dem Wasser treiben zu lassen.
Sie öffnete die Augen wieder. Kurz schmerzte es in ihren Augen, die Wolken waren etwas weiter gezogen, die Sonne spiegelte sich in Millionen kleinen Sternen auf dem Wasser, bald würde sie untergehen. Wieder wehte ihr der Wind die Haare ins Gesicht, vor die Augen, sie breitete die Arme aus, ließ sich vom Wind stützen, hatte für einige Sekunden das Gefühl zu fliegen.
Der Wind schwächte wieder ab, holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie ließ die Arme wieder sinken, warf einen letzen Blick auf das Meer und drehte sich um. Sie setzte einen Fuß vor den anderen, auf dem Weg in eine unbekannte Zukunft, an einem unbekannten Ort, jedoch dem einzigen Ort, wo sie glücklich werden konnte.