Was ist Glück?
Januar 14, 2010
Wenn ein schönes Lied läuft, wenn sonst nichts schön ist.
Ein Bier nach einem tollen Kinofilm.
Ein Kind, das mit großen Augen die Welt entdeckt.
Die erste Knospe nach einem langen Winter.
Wenn die Zeit vergeht, ohne dass man es bemerkt.
Wenn man etwas findet, von dem man vergessen hat, das man es sucht.
Ein unerwarteter Anruf von einem alten Freund.
Wenn ein Gespräch wie von selbst läuft.
Der Duft von Kaffee an einem Sonntagmorgen.
Füße in den Sand zu stecken und das Meer auf den Lippen zu spüren.
Zu wissen, dass man nicht alleine ist.
Einen wirklich guten Freund zu finden.
Ein Kuss, von dem man weiß, was er bedeutet.
Nicht vergessen zu sein.
Eine gute Nachricht zu hören.
In den Arm genommen zu werden.
Bis zur Ekstase zu tanzen.
Tiere in Wolkenformen zu erkennen.
Ein gutes Essen gekocht zu bekommen.
Zu wissen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Ein Geschenk von Herzen zu bekommen.
Über einen Zaubertrick zu staunen, ohne zu fragen, wie er funktioniert.
Ein Lächeln, das einen selbst lächeln lässt.
Eigene Kinderfotos anzuschauen, auf denen man noch pummelig und klein war.
Wenn man die richtigen Worte findet.
Sich die Seele aus dem Leib zu singen, selbst wenn man nicht singen kann.
Gedanken eines anderen zu hören und zu merken, dass man sie teilt.
Einen Schatz aus vergangenen Zeiten zu finden.
Sich wirklich frei zu fühlen.
Das erste Eis im Sommer.
Ein Lied, das jemand nur für einen selbst komponiert hat.
Zu wissen, wo sein Zuhause ist.
Nach einem anstrengenden Tag nur noch ins Bett zu fallen und die Augen zu schließen.
Etwas geschafft zu haben.
Machen zu können, was man will.
Ein Kompliment zu bekommen.
Ohne Angst in die Zukunft sehen zu können.
Ein Tag ohne Verpflichtungen.
Von der Sonne wach gekitzelt zu werden.
Sich noch mal umzudrehen, weil man nicht aufstehen muss.
Nicht darüber nachdenken zu müssen, was die anderen denken.
Verrückte Ideen, und Menschen zu finden, die sie mitmachen.
Zufällig neue Menschen kennen zu lernen.
Zu bemerken, dass man etwas kann, was man früher nicht konnte.
Stark zu sein.
Sich selbst treu zu bleiben.
Pitschnass in ein warmes Handtuch eingewickelt zu werden.
Etwas zu haben, für das dein Herz schlägt.
Zu sehen, wie sich jemand von Herzen freut.
Größe zeigen zu können.
Eine gute Idee zu haben und sie zu erkennen.
Wenn jemand wirklich wissen will, wie es dir geht.
Sich nach einer langen Strecke umzudrehen und zu sehen, welchen Weg man zurückgelegt hat.
Applaus zu bekommen, wenn man von der Bühne geht.
Und was ist Glück für dich?
Abschied nehmen von einer Welt in rosa.
Dezember 31, 2009
Er war in meinen Augen der schönste Mann der Welt.
Für eine Weile war das für mich das einzige, was zählt.
Aber dass mich jemand äußerlich anspricht,
reicht auf Dauer leider nicht.
Wir saßen nebeneinander, zu zweit,
aber wir haben unsere Gedanken nicht geteilt.
Zwischen uns saß nur die Stille,
unsichtbar und rosa, so wie meine Brille.
Wir fanden uns in unsere Rollen,
spielten mit wenig Wohlwollen
schlechte moderne Stücke
unter einer rosa Ganzkörperperücke.
Wer er war, weiß ich nicht,
jedenfalls war ich nicht ich.
Er gab sich keine Mühe mehr zu lachen
über meine dummen Witze zu Nebensachen.
Wenn mir die Worte fehlen
und stattdessen nur Bedürfnisse quälen
diesen schönen Mann anzufassen,
sollte ich es am besten lassen.
Wegsehen, Weitergehen.
November 29, 2009
Es ist ein grauer Tag. Der Asphalt, der Himmel und die homogene Masse der Menschen bilden eine Symphonie der Grautöne. Im Winter trägt niemand Farbe. Man könnte ja auffallen, neben verwelkten Pflanzen und Menschen.
Die Sonne kämpft sich tapfer durch die Wolken, doch bevor sie jemanden wärmen kann, wird von der Dämmerung verschluckt.
Ein Lichtblick erscheint direkt vor mir. Der ist schön! Zu schön, um wahr zu sein. Er hat Locken, die sein feines Gesicht abrunden. Er hat starke Gesichtszüge und neben den Augen erste Spuren von Lachfalten. Die graue Welt verschwindet für einen Moment aus meinem Blickfeld. Ich sehe nur noch ihn, ganz genau.
„Schau mich an, schau mich an, schau mich an!“ schreit alles in mir. So laut und so oft, als ob dieser Satz immer wieder in meinem Kopf widerhallt. Aber es kommt mir nicht über die Lippen. Bestimmt starre ich ihn an. Wenn Blicke töten könnten, wäre er schon tot umgefallen. Ohne mich gesehen zu haben. Wäre schade. Ich würde ihn zu gerne mit meinem Blick fesseln, damit er nie mehr weg kann und bei mir bleibt, weil er so von mir fasziniert ist.
Die dunklen Locken verdecken seine Augen. Doch jetzt hebt er sein eckiges Kinn. „Er hat mich bemerkt!“, juble ich innerlich. Diesmal hüpft der Satz auf und ab in meinem Kopf und vollführt einen Freudentanz. Aber mein Körper regt sich nicht, mir stockt der Atem. Unter seinen rauen Brauen schauen seine schlauen Augen furchtbar scheu. Diese atemberaubenden Augen müssen sich vor niemandem verstecken.
Ich habe zu früh gejubelt. Er schaut durch mich hindurch, er sieht mich nicht. Ich wage einen Blick über die Schulter. Er schaut auf die Uhr. Als ich meinen Kopf wieder wende um ihn weiter zu bewundern, ist er einen schnellen Schritt weitergegangen. Ich weiß genau, gleich ich ist er vorbei und meine Chance mit ihm.
Augen sollten vor Freude strahlen und alle anderen damit erleuchten. Deine Augen sind so traurig, wie ich es noch nie gesehen habe. Ich würde gerne in deinen tiefen Augen versinken und deiner Traurigkeit auf den Grund gehen. Doch dein Blick ist schon zu leer. Man sagt, die Augen seien der Spiegel zu Seele. Aber wenn ich in deine Augen sehe, sehe ich da nur mein Spiegelbild, ich stehe immer noch mitten in der grauen Wirklichkeit.
Du hast den Blick für die anderen verloren, so wie die anderen für dich. Du siehst nur noch eine einzige graue Masse, Individuen gehen darin unter. Jeder lebt in seinem eigenen Kopf, keiner geht aus sich heraus. Was ist aus unseren Träumen geworden? Hans-guck-in-die-Luft gibt es nicht mehr, Hans hat es jetzt eilig und richtet seinen Blick auf seine Füße, um so schnell wie möglich den richtigen Weg zu finden.
Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen! scheint hier jeder zu denken.
Bloß nicht zu viel von sich preisgeben, wir stürzen uns kollektiv in die Anonymität. Bloß nie tiefer gehen, man könnte ja zu viel entdecken. Augen zu und durch.
Geh stattdessen mit offenen Augen durch die Welt und schau den Menschen tief in die Augen, zieh sie in deinen Bann. Lächle, auch für Unbekannte. Manche werden sich wundern, manche werden zurücklächeln, aber alle werden sich freuen.
Man lächelt aber nicht, wenn man nur die Zähne zeigt. Deine Augen zeigen, ob du dich wirklich freust. Nur dann kannst du andere mit deinem wundervollen Lächeln anstecken und graue Massenveranstaltungen in einzigartige Momente verwandeln.
In diesem Moment bist du an mir vorbeigegangen, ohne mit mir einen Blick, ein Wort, einen Gedanken zu tauschen.
Ich fühle mich beobachtet, spüre einen Blick in meinem Rücken. Nein, das kann nicht sein, ich sehe aus wie alle anderen, du hast mich bestimmt nicht gesehen. Mein Blick sinkt zu Boden. Ich stürze mich mit voller Wucht in die graue Masse aus Himmel, Asphalt und den anderen Menschen.
Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!
Guten Morgen, liebe Winterzeit
November 10, 2009
Mit weißen, kalten Sonnenstrahlen hast du mich geweckt.
Um neun Uhr morgens, das hat mich doch etwas erschreckt.
Viel zu früh um aufzustehen,
ich werd mich einfach noch mal umdrehen.
Aber das Wiedereinkuscheln ist umsonst,
irgendwas ist heute anders als an Sonntagen sonst.
Kein einziger Vogel pfeift auf dem Dach,
nur ich lieg offenen Auges wach.
Ich komme ganz langsam in die Puschen,
vielleicht hilfts, ich geh erstmal duschen.
Ich schlurfe durch den kalten Flur,
mein Blick fällt auf die erbarmungslose Uhr.
Sie zeigt schon versöhnliche Zehn,
das ist kann ich so früh am Morgen wirklich nicht verstehen.
Vielleicht schlafe ich noch und es ist nur ein gemeiner Traum,
Dann träum ich mich mal zurück in meinen Schlafraum.
Im kalten Licht zeigen die Zeiger wieder neun.
Es scheint real, soll mich das jetzt freuen?
Ist zu früh für gute Laune,
auch wenn ich noch immer über mein Wachsein staune.
Das ganze Haus wahrt Stillschweigen,
kein Ton traut sich mir zu zeigen.
Vielleicht hilft das Zählen von Schafen,
Hauptsache, ich kann noch etwas weiterschlafen.
Ich verkrieche mich in meinen warmen Decken,
doch es ist, als würde der Schlaf sich vor mich verstecken.
Ich hab heute wohl kein Glück,
dann mach ich jetzt eben Frühstück.
Zukunft.
Mai 3, 2009
Zukunftsängste
Kaffeekränze
Ungewissheit
Altersschwachheit
Ich hab ein paar Fragen
Die mich plagen
An dich
Doch du willst nicht beantworten
Kannst es nicht verantworten
Was du sagen sollen
Könntest, müsstest
Wenn du wüsstest,
Was sie wollen
Bald, Jetzt, Dann, Wann?
Ich kann
Ich werde
Etwas tun
Für unsere Erde
Nun
Sonntag.
Dezember 28, 2008
Ich lasse mir das Wasser über die Haare laufen, um die letzte Nacht wegzuwaschen. Der Rauch, der sich in meinen Haaren festgesetzt hat, steigt mir wieder in die Nase. Ich werde ihn mit dem Geruch meines Shampoos überdecken. Draußen ist es schon dunkel, ich bin erst vor wenigen Stunden aufgestanden. Der Tag war schon vorbei bevor er angefangen hat. Ich dusche nur, um heute wieder wegzugehen. Morgen werde ich mir wieder den Rauch aus den Haaren waschen. Mein Tagesablauf stimmt nicht mehr, ich esse nachmittags mein Mittagsessen, ich frühstücke gar nicht.
Sonntage sind selten voller Tatendrang, aber dieser ganz besonders wenig. Sonntag, das war immer unser Tag, an dem wir nie aufgestanden sind. Aber jetzt stehe ich auf und mache doch nichts. Denn du bist nicht mehr Teil meines Lebens und auch nicht mehr Teil meines Sonntags. Nichts stimmt mehr.
Utopie.
Dezember 27, 2008
In diesem Moment gibt es nur uns beide. Der Rest der Welt ist Nebensache, nur eine Kulisse für unsere Zweisamkeit. Der Moment ist das einzig Wichtige, die Farben, die Gefühle. Wir laufen, Hand in Hand, es fühlt sich so richtig an. Unser Ziel ist die Stadt unter dem Berg auf dem wie laufen. Er bleibt stehen, zieht mich zu sich heran und küsst mich unglaublich leidenschaftlich. Die Stadt, die gerade eben noch so groß und bunt erschien, verschwimmt und verschwindet dann, als ich meine Augen schließe.
Ein Geräusch stört unsere Zweisamkeit. Widerwillig löst er seine Lippen von meinen. Ich sehe mich um, suche die Ursache des Geräuschs. Die Stadt stürzt vor unseren Augen ein. Ich sehe, wie er wieder meine Hand nimmt, doch ich spüre nichts.
Die Realität hat uns eingeholt. Dieser kleine Moment zwischen uns war zu schön um wahr sein zu dürfen.
Ich öffne die Augen. Es war ein Traum, die schönen Gefühle, die bunten Farben, die große Stadt existiert so nicht mehr. Uns bleibt keine Zeit für solche Träume. Er ist irgendwo dort draußen, ich liege hier allein an dem Ort, den ich früher wohl mein zu Hause genannt hätte. Draußen tobt der Krieg, die Farben und Gefühle haben die Stadt schon vor langer Zeit verlassen. Sie ist nur noch eine leere Kulisse für den Krieg.
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Soundtrack dazu von Clueso.
Eine zufällige nächtliche Begegnung.
Dezember 23, 2008
Nach einer durchtanzten Nacht trat ich hinaus in die kalte Stille. Mein Herz, das im Takt der Musik geschlagen hatte, beruhigte sich nun, die Müdigkeit überfiel mich. Und mit ihr kamen die Gedanken an den Abend, ob ich ihm zu viel gesagt hatte. Er würde sich nicht mehr melden, doch das wusste ich in diesem Moment noch nicht. Meine Beine trugen mich wie von selbst in Richtung Licht, dorthin, wo andere, die so wie ich die Nacht durchgetanzt hatten, auf ihre Busse nach Hause warteten.
So viele unbekannte Gesichter, und keines erschien mir besonders vertrauenerweckend. Langsam schaute ich noch einmal über die Schulter. An dieses Gesicht konnte ich mich noch erinnern. Es war lange her, dass ich es gesehen hatte, doch es hatte sich kaum verändert, er sah immer noch aus wie ein junger Professor, ganz wie damals. Ich ging auf ihn zu und schaute ihn nach meiner Begrüßung mit erwartungsvollem Blick an. Zu meinem Erstaunen erinnerte er sich sofort an mich und freute sich, mich wiederzusehen. Er redete von etwas, an das ich mich nicht mehr erinnern konnte. Doch das war unwichtig, ab dem Moment, in dem sich die Person neben ihm äußerte. Ihn hatte ich bis dahin gar nicht wirklich wahrgenommen.
Da kam mein Bus an, gerade jetzt. Doch er würde mitfahren, mal sehen ob er sich neben mich setzen würde. Das tat er tatsächlich und wir unterhielten uns nun erst richtig. Er war genau auf einer Wellenlänge mit mir, ich erzählte ihm, was mich bewegte, obwohl wir uns erst so kurz kannten. Viel zu schnell kam seine Haltestelle, wir hatten uns doch noch so viel zu erzählen. Er fragte scherzhaft, ob er einfach mit zu mir kommen sollte und wir würden uns weiter unterhalten. Ich stimmte spontan zu und er blieb tatsächlich sitzen. Wenige Minuten standen wir wieder in der kalten Nacht und machten uns auf den Weg nach Hause.
An diesem Abend war es glatt auf den Straßen, doch es war nicht so schlimm, dass man nicht laufen konnte. Kurz bevor wir unser Ziel erreicht hatten, fing er an, auf dem Eis Salsa zu tanzen. Und obwohl ich nicht gut tanzen kann, war es ein ganz besonderer Moment, nur für uns beide. Rechts zurück, Links hoch, rechts vor, links vor… Nach ein paar Schritten gingen wir weiter und standen bald vor meiner Tür. Ich schloss die Tür auf und wir schlichen leise nach oben, um niemanden zu wecken.
Wir zogen uns um, ungesehen vom anderen. Schließlich saßen wir in entgegen gesetzter Richtung auf dem Bett, so dass wir uns anschauen konnten und erzählten uns von Beziehungen, die inzwischen Vergangenheit sind. Nachdem wir uns stundenlang unterhalten hatten und uns langsam an die Anwesenheit des anderen Körpers gewöhnt hatten, wurde es draußen schon wieder hell. Er legte seine Arme um mich und wir schliefen ein.
Nach einem kurzen Schlaf schlug ich die Augen auf. Ich schaute direkt in seine unglaublich grünen Augen. Ich hatte nicht geträumt. Ich hatte einen neuen besten Freund gefunden.
Zweisam einsam.
Juli 22, 2008
Sie haben sich auseinandergelebt. Nach so vielen Jahren Ehe ist er jetzt ausgezogen. Auf einmal war alles Routine, sie versorgte den ganzen Tag die Kinder, er kam erst zum Abendessen nach Hause und wollte dann nur noch auf der Couch liegen und fernsehen. Der Sonntagmorgen, der früher gemeinsam im Bett mit Kaffee und Sex genossen wurde, wird jetzt schon um 7 Uhr morgens von den Kindern gestört. Sie treten nur noch gemeinsam auf, weil sie müssen, sie sind doch schon so lange das Traumpaar, schon so lange nur noch das „Wir“. Er sieht seine Arbeitskollegin auf einmal mit anderen Augen, sie fühlt sich einsam und gibt ihren Kindern all die Liebe, die sie noch hat.
Die Romantik ist gewichen, er sucht sich jetzt eine neue Wohnung und sie trinkt ihren Kaffee allein während die Kinder spielen. Der Babysitter kommt jetzt öfter, der Vater nur noch am Wochenende.
Busfahrt.
September 8, 2007
Ein voller Bus, und ich hinten links. So viele interessante Gesichter und Menschen, deren Geschichte und Weg ich gern kennen würde. Nur von der Person die mir am nächsten ist, weiß ich schon genug, ohne es wissen zu wollen.
Dann schließen sich die Türen hinter den Aussteigenden, die Fahrt ist vorbei, zurück bleibt ein leerer Bus, die Gesichter und Menschen gehen weiter ihren Weg.